Die Faszination Focke Wulf Ta 152 - vom Original zum Nachbau 
- der letzte echte Höhenjäger

                           Neustadt-Glewe                      Flugplatz

Koordinaten :         53° 21´ 45´´ N   

                                  11° 37´ 00´´ E                                           Höhe: 33 m      

Örtliche Lage und Bezugspunkte:


32.2 Kilometer südsüdostwärts von SCHWERIN; 8 Kilometer nordostwärts von LUDWIGSLUST; 3,2 Kilometer südostwärts von NEUSTADT. Der Flugplatz liegt in dem Winkel, der durch die Mündung des BRENZER KANALS in den kanalisierten Fluss ELBE gebildet wird. Der NEUSTADTER SEE 4,8 Kilometer nordostwärts sollte einen guten Orientierungspunkt abgeben.


Hindernisse:

Nordosten, Osten, Süden und Südwesten: Wälder

Nordwesten: Flugplatzgebäude




                                                                                                        Messtischblatt Jürgen Zapf


Neustadt-Glewe: Das Messtischblatt zeigt die Lage des Fliegerhorstes im Südosten der Stadt. Im Norden des Rollfeldes sind von links die Flugzeughalle und die Baracken des KZ-Außenlagers und links die Hallen der Norddeutschen Dornier-Werke eingezeichnet. 


Ausmaße:

1.005 Meter Nordwest/Südost. 1.190 Meter Nordost/Südwest. Eine längste Rollstrecke von 1.510 Metern in Richtung Osten /West ist vorhanden. Der Flugplatz hat eine unregelmäßige Form.


Oberfläche: Gras

Startbahnen: Bis März 1944 keine. Rollwege versorgen den Nord- und den Nordwestrand.


Anlagen:

(a) Treibstoff und Öl vorhanden

(b) Wasser: Zisterne der Nordwestecke

(c) Telefon, Funk usw.: Peilanlagen sind vorhanden.

(d) Flugzeughallen und Werkstätten:

Außerhalb der Nordweststrecke: 1 sehr große Flugzeughalle 

Außerhalb des Nordrandes: 1 sehr große , 2 große und 1 mittelgroße Flugzeughalle. Alle Flugzeughallen haben  asphaltierte Vorfelder. Mögliche Werkstätten in der Nähe der Flugzeughallen.

(g) Unterbringung: 

Flugplatzgebäude, die Mannschaftsunterkünfte, Speisesäle, Kantinen und Verwaltungsgebäude umfassen, liegen außerhalb des Nordrandes.


Auflockerung:

Nordosten (außerhalb des Platzrandes):

                     sehr groß                                 groß                               mittelgroß

                        5 offene                                 8 offene                         4 offene

                                                                                                                 5 überdachte = 22


Verkehrsanbindungen:

(a) Straße: Nebenstraße nach NEUSTADT, dann Hauptstraßen nach LUDWIGSLUST und PARCHIM.

(b) Bahn: Die Bahnstrecke LUDWIGSLUST / PARCHIM verläuft 2,4 Kilometer nordwestlich des Flugplatzes.


Bemerkungen:    

Flugplatz Neustadt-Glewe – Geschichte und Nutzung


Der Flugplatz Neustadt-Glewe bestand seit Mitte der 1930er Jahre und erhielt etwa 1938 den Status eines kleinen Landeplatzes. Die Grasfläche hatte laut einer Karte von etwa 1943 eine Größe von rund 1200 × 750 Metern.
Der Platz diente hauptsächlich als Übungs- und Landeplatz für Ausbildungseinheiten der umliegenden Fliegerhorste, darunter Parchim, PARCHIM, LUDWIGSLUST, SCHWERIN/GÖRRIES, HAGENOW, GÜSTROW, PERLEBERG und WITTSTOCK . Leitfliegerhorst war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs PARCHIM.


Ausbau ab 1939
Ab 1939 wurde der Flugplatz deutlich erweitert. Im nördlichen Bereich entstanden:

  • massive Flugzeughallen
  • Werkstätten
  • Tanklager
  • Peilanlagen
  • Unterkunftsbaracken

Sämtliche Hallen verfügten über asphaltierte Vorfelder, zudem wurden betonierte Rollwege angelegt. Reste dieser Infrastruktur sind teilweise noch heute sichtbar.


Ebenfalls erhalten sind:

  • Splitterschutzboxen zum Schutz der Flugzeuge, die man heut noch vorfindet
  • eine kreisrunde Betonplatte der Kompasskompensierscheibe


Nutzung durch Ausbildungseinheiten:

Zwischen 1935 und 1944 wurde der Flugplatz NEUSTADT-GLEWE  intensiv für die Pilotenausbildung genutzt, unter anderem durch Flugzeugführerschulen aus Ludwigslust und Schönwalde.

Wichtige Stationierungen:

  • 01.04.1938: Fliegerwaffenschule E (aus Stolp), später Verlegung nach Stolp-Reitz
  • 01.11.1939: Bildung des Fliegerausbildungsregiments 22/42
  • 01.10.1941: Umbenennung in Flugzeugführerschule A/B 42
  • September 1942: Verlegung nach LANGENSALZA

ab 11.05.1944: Nutzung durch Flugzeugführerschule A72 NEUSTADT-GLEWE als Arbeitsplatz von SCHWERIN-GÖRRIES aus. Sie war nach dort von MARKERSDORF, aufgrund ständiger Behinderungen durch Luftalarme, verlegt worden. 


Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit:
Aufgrund zunehmender alliierter Luftangriffe wurden durch die Rüstungsindustrie im damaligen Reichsgebiet entsprechende Maßnahmen zur Dezentralisierung der Produktion ergriffen. Die Norddeutschen Dornier-Werke Wismar waren wiederholt Ziel nächtlicher Angriffe der RAF. wurde ab 1942, erfolgten in unmittelbarer Nähe zum Platz, in dem heute bewaldeten Bereich links von der Zufahrtstraße, Arbeiten zur Errichtung eines Zweigwerkes. 


Dort arbeiteten:

  • Die deutsche “Gefolgschaft” des Werkes wurde in den Baracken des Fliegerhorstes untergebracht. 
  • Zwangsarbeiter aus mehreren europäischen Ländern, aus Niederlanden, Belgien, Frankreich, und der Ukraine 
  • ab Februar 1945 auch KZ-Häftlinge, vor allem aus dem geräumten KL Auschwitz und später auch aus Ravensbrück in das Lager Neustadt-GLEWE gebracht worden

Das Barackenlager dieser Häftlinge befand sich in dem Bereich zwischen den Gebäuden des Fliegerhorstes und dem Dornier-Werk. In der Nähe der ehemaligen Lagerzufahrt ist heute eine Gedenktafel angebracht.

Zwischen dem 21. Oktober 1943 und dem 11.Mai 1944 ist keine Belegung bzw. Nutzung des Platzes durch Luftwaffeneinheiten dokumeniert. Erst wieder am 11.Mai 1944 nutzte die Flugzeugführerschule A 72 NEUSTADT-GLEWE als Arbeitzplatz. Im Sommer 1944 wurde zwischen den Gebäuden des Fliegerhorst und den Hallen des Dornier-Werkes ein Außenlager des KZ Ravenbrück einschließlich den Baracken für das SS-Wachpersonal errichtet, für die Unterbringung von rund 300 Frauen, im September 1944 wurden hier 900 Häftlinge aus Ravenbrück untergebracht. Mitte Febuar 1945 kammen noch weitere Häftlinge, insbesondere durch die geräumten KZ Ausschwitz und auch später aus Ravenbrück, so das das Lager in Neustadt-Glewe eine Höchstzahl von 4200 Häftlinge hatte, diese Häftlinge haben unter verheerenden Bedinungen noch Flugzeuge produziert. Rund 1000 Häftlinge überlebten diese Strapazen nicht. Die Flugzeugproduktion endete im April 1945, als in Parchim ein Lager mit Teilen zerstört wurde. 


Am 10. April 1945 verlegte das Jagdgeschwader 301 von Stendal nach NEUSTADT-GLEWE. Der Stab/Jagdgeschwader 301 und die II../Jaggeschwader 301 räumte an diesem Tag ihren bisherigen Standort Stendal nach Neustadt-Glewe. Beim Stabsschwarm der III.Gruppe/JG 301 flog das modernste und schnellste kolbengetriebene Jagdflugzeug der deutschen Luftwaffe, die Focke-Wulf Ta 152. Die Einsätze mit der Ta 152,  richteten sich vor allem gegen Bodentruppen und alliierte Flugzeuge, in bekanntes Ereignis:
14. April 1945, Oberfeldwebel Willi Reschke schoss mit einer Ta 152 H, Kennung weiße 1, durch Flugbuch Eintrag von Reschke betätigt eine britische Hawker Tempest ab. 

Bis ende April 1945 blieben beide Verbände auf dem Platz von NEUSTADT-GLEWE. Der letzte Einsatz des Jagdgeschwaders erfolgte am 30. April 1945 im Raum Berlin. Gleich im Anschluss an den Einsatz wurden alle noch verfügbaren Maschinen Fw 190 A-8 und Ta 152, auf höheren Befehl an das Jagdgeschwader 11 abgeben, welches kurz zuvor von Lärz nach Neustadt-Glewe verlegt wurde. Die letzte Verlegung Geschwaders JG 301 erfolgte per Landmarsch, nach Leck in Schleswig -Holstein.

 

Am 2. Mai 1945 rückte die Rote Armee ein und fand nur noch zerstörte Flugzeuge vor. 

Nach Kriegsende, wurden die Hallen und Baracken als Reparationsleistungen demontiert. Es erfolgte eine gezielte Sprengung der Infrastruktur des Geländes. Heute sind nur noch wenige bauliche Reste erhalten.


Quelle: Messtischblatt, Mit freundlicher Erlaubnis von Jürgen Zapf

Flugplätze der Luftwaffe 1934-1945 - und was davon übrig blieb, Band 5 - Mecklenburg-Vorpommern, ISBN 978-3-86619-011-5, s.205


Anmerkung:

Es gibt noch weitere Ereignisse und Besonderheiten die mit dem Platz NEUSTADT-GLEWE zu tun haben, die werden hier nach und nach in Beiträge veröffentlicht!